SO WAR ES WIRKLICH:

Tatsachenbericht eines Geschädigten, der eigentlich nur den Pelzmantel seiner Frau zum Verkauf anbieten wollte.

Am Beispiel beim Besuch im November 2025 bei einer in einem Hotel in Steyregg gastierenden „Pelzankaufsveranstaltung mit Experten

Besuch # 1 (Vormittag)

Hinweisschilder finden sich keine. Auf Frage werde ich in den rechts vom Eingang hinteren Bereich geschickt und finde die Ankaufsbewertung in einem Raum (hinten links) in den mich ein kleines Mädchen (ca. 11 Jahre alt) führt.

Im Raum herrscht ein reges Treiben. Ein Ehepaar wird gerade freundlich verabschiedet. Am mittleren Tisch sitzt eine ältere Frau, mit der gerade „verhandelt“ wird und am hinteren Tisch sitzt ein Mann, der dabei ist, Schmuck zu prüfen (er reibt Schmuckstücke auf einem dunklen Stein).

Ich werde äußerst freundlich von einem jungen Mann gebeten, am vordersten der 3 großen Tische Platz zu nehmen und er bietet mir gleichzeitig etwas zu trinken an. Den Pelzmantel gebe ich ihm und frage, ob er so etwas ankauft. Er nickt und fragt, welche Preisvorstellung ich hätte. Ich beziehe mich auf die im Prospekt versprochene „Experten-Bewertung“: Er nickt erneut und begutachtet den Mantel ausführlich. Dann lobt er die Schönheit und die Qualität dieses tollen Stückes. Er sagt (strahlend): „dafür kann ich ihnen gerne 1.500 Euro anbieten – in bar natürlich“ und ob ich damit einverstanden wäre. Ich strahle auch und nehme das Angebot an, ist es doch deutlich höher als erwartet.

Der junge Mann fragt dann, ob ich auch Gold mitgebracht hätte. Nein, habe ich nicht. Er fragt, ob ich denn den Prospekt nicht gelesen hätte, denn Pelzankauf könne er nur zusammen mit einem Goldankauf durchführen.

Ja, sage ich, den Prospekt kenne ich, aber das ist mir neu. Er steht auf und kommt mit einem Prospekt zurück. Dort steht tatsächlich (wenn auch eher unauffällig) der Satz: „* nur in Verbindung mit Goldschmuck.“

Er erklärt mir, dass er also zusätzlich zum Mantel noch ca. 70-80 Gramm Gold benötige, um den Ankauf durchführen zu können. Ich habe aber kein Gold.

Dann kommt eine Frau dazu. Offensichtlich die Chefin. Sie reicht mir freundlich sofort die Hand und schaut sich zunächst ebenfalls den Pelzmantel an. Auch sie lobt ihn in höchsten Tönen und erklärt ohne danach gefragt zu sein, dass man diese extrem hohen Preise nur bezahlen könne, da die Mäntel am Montag nach Skandinavien geschickt würden, weil dort momentan ein extrem hoher Bedarf danach bestehe. Die Gelegenheit zum Ankauf bestünde also nur noch heute, und das mit dem Goldankauf sei nun mal nicht zu trennen. Aber das sei auch eine nicht wiederkommende Gelegenheit, da sie ja auch für das Gold einen sehr hohen Preis bezahlen würde, den man „sonst nirgends bekäme“. Sie stellt klar: wir zahlen ihnen die 1500 Euro für den Mantel und natürlich zusätzlich den ebenfalls sehr hohen Ankaufspreis für das Gold. Goldschmuck hätte meine Frau doch ganz sicher und die Gelegenheit sollte sie unbedingt nutzen.

Ich stelle klar, dass ich nicht weiß, ob und wie viel Schmuck meine Frau verkaufen würde und schon gar nicht, ob das dann 100 Gramm sein werden. Die Frau beruhigt: „sie findet garantiert etwas. Wir kaufen ja auch Silber und vor allem auch Modeschmuck zu sehr hohen Preisen an, die sonst niemand anderer bezahlen würde. Modeschmuck hat ihr Frau doch ganz sicher…“

Jetzt schlägt der junge Mann vor, ich solle doch am besten den Mantel bei ihm lassen (Name draufschreiben, das nichts passiert) Dann könne ich nachhause fahren und mit dem Schmuck meiner Frau wiederkommen.

Ich nehme den Mantel aber wieder mit und sage, ev. am Nachmittag wieder zu kommen, nach dem ich mit meiner Frau gesprochen hätte. Die Frau lächelt und meint, „sie sei sicher, dass ich wiederkommen werde…DIE Gelegenheit lässt man sich doch nicht entgehen…“

 

Besuch # 2 (Nachmittag)

Ich bin wiedergekommen. Dieses Mal habe ich zusätzlich zum Mantel Schmuck meiner Frau dabei: 1 Goldring mit Diamanten (ca. 1,4 Kt, eine schwere goldene Halskette mit Diamant 1,0 Kt, goldene Ohrringe und eine antike Platin Brosche mit reichhaltigem Diamantbesatz) Dazu altes Silber und Modeschmuck.

Auch dieses Mal werde ich vom gleichen jungen Mann (wie am Vormittag) direkt zum hinteren Tisch gebeten. Die Frau (ebenfalls die vom Vormittag (sie ist wohl die Chefin) setzt sich sofort dazu. Ich gebe das Silber in einer Schachtel und den Modeschmuck dem jungen Mann. Er schaut sich das lustlos an und schiebt den Modeschmuck zur Frau. Sie fragt sofort nach dem Gold. Den Goldschmuck habe ich separat ebenfalls in eine Schachtel gepackt. Ich nehme die Stücke einzeln heraus und gebe sie ihr nacheinander. Sie trennt die Stücke nach „echt“ und „Modeschmuck“. Auch die Platin-Brosche schaut sie prüfend an, nimmt dafür eine Lupe und untersucht das „gute Stück“ sehr genau. „Modeschmuck“ sagt sie dann enttäuscht und legt es zum anderen Modeschmuck. Genauso verfährt sie mit dem Ohrringen (auch der ist angeblich Modeschmuck). Die Gold-Kette und den Diamantring prüft sie ebenfalls. „das könnte Gold sein“ und reibt die Stücke auf einem dunklen Stein und auf den Abrieb trägt sie eine Flüssigkeit auf. „Prüfsäure“ erklärt sie, und „ja, das ist Gold, aber „unterlegiert“.

Ich frage, was „unterlegiert“ bedeute. Sie sagt: „da stimmt der Goldgehalt vom Stempel nicht. Ich zeige es ihnen.“ Sie holt aus einer Schachtel ein beschädigtes Goldarmband, reibt dies ebenfalls auf dem Stein und trägt wieder die Säure auf und zeigt mir, dass der Strich nicht mehr zu sehen sei, also kein Gold ist. „Das hat einen Stempel für 750er Gold, ist aber kein Gold, wie sie sehen. Bei ihnen ist es Gold, aber niedriger halt als der Stempel. Ich prüfe das aber jetzt alles nochmal, vorher war es ja nur meine erste Einschätzung. Dabei nimmt sie auch die Ohrringe, die beim Modeschmuck gelandet waren, prüft sie mit der Säure und stellt fest, dass die doch aus Gold sind, und legt sie jetzt zum Goldschmuck. Alles andere bleibt beim Modeschmuck, bei dem sich auch die Platin-Brosche befindet.

Ich sage, dass die Brosche ein Erbstück der Tante meiner Frau sei, und die in der Familie immer als besonders wertvoll bezeichnet wurde. Daraufhin nimmt sie die Brosche erneut in die Hand und untersucht sie lange mit Lupe. Tut mir leid, aber auch das ist Modeschmuck, alter Modeschmuck ja, aber kein Gold, keine echten Steine…aber Modeschmuck kaufen wir auch, gerne so besonders schönen und schön ist er ja…“

Jetzt frage ich nach den Diamanten in Ring und Kette.

Antwort: „die sind leider auch nicht echt. Ich glaube, das sind Mosanite.

Ich wende ein, dass meine Frau fest davon ausgeht, dass es sich um echte Diamanten handelt, die beim Juwelier erstanden hat,

Antwort: „leider nein, das stimmt leider nicht, das wäre mir ja auch lieber. Ich kann ihnen aber auch gerne mal zeigen, wie man das unterscheiden kann.“ Dann nimmt sie einen Ring mit einem (kleinen) Diamanten vom Finger. „Der ist echt. Das erkennt man unter der Lupe sehr gut. Ich zeig ihnen mal, wie das geht. Sie können das gerne selbst prüfen.“ Sie reicht mir Ring und Lupe. Ich sage, dass ich davon nichts verstehe, meine Frau aber die Echtheit mehrfach hat bestätigt bekommen.

Reaktion/Antwort: „Okay, dann schau ich mir auch den Stein nochmal ganz genau an“ Sie nimmt zuerst den Ring und betrachtet ihn lange unter der Lupe. Dann: „Oh, ich habe mich wirklich etwas getäuscht. Das ist kein Moisanit, das ist ein Kristall, also auch ganz sicher kein Diamant! Schauen sie, selbst mit der Lupe.“

Ich lehne erneut ab und frage nach dem Diamant in der Kette.

Reaktion/Antwort: Sie betrachtet auch diesen Stein unter Lupe. Das ist mit Sicherheit ein Moisanit. Das ist leider alles sehr enttäuschend…“und ich könne das ja gerne auch selbst überprüfen. (reicht mir erneut die Lupe)

Ich merke an, dass ich davon nichts verstehe und eigentlich nur wissen will, wie viel meine Frau jetzt für den Pelz, den Schmuck, den Modeschmuck und das Silber bekommen würde.

Antwort: „Augenblick, dazu muss ich das vorher noch genau abwiegen.“ Sie nimmt die Kette, den Ring und die Ohrringe und geht zum vorderen Tisch, an dem der wohlbeleibte Mann auf den nächsten Kunden wartet. Dort steht eine Waage. Kurz darauf kommt sie mit leidvoller Mine zurück. „Ja, das ist halt viel weniger Gold als wir benötigen. Aber das ist nicht so schlimm. Da müssen wir nur leider den Preis für den Pelz ein kleines bisschen nach unten korrigieren. Leider leider…aber da kommt immer noch sehr viel Geld zusammen.“

Ich zucke mit der Schulter: „Wie viel bekommt meine Frau?“

Antwort (nach kurzen Zögern): „also für alles zusammen kann ich ihnen 1.800 Euro anbieten.“

Ich schüttele den Kopf, worauf sie sagt: „Oder 1.300 ohne den Pelz1

Ich schüttele erneut den Kopf, worauf sie nach einer kurzen Denkpause auf 2.000 „für alles“ erhöht. („aber mehr geht nicht!“ und als ich weiter den Kopf schüttele, insistiert sie: „…rufen sie besser ihre Frau an, das ist ein sehr gutes Angebot!“)

Der junge Mann, der immer noch neben ihr sitzt, bekräftigt dies mit heftigem Kopfnicken und murmelt irgendetwas Zustimmendes, was ich aber nicht verstehe.

Ich lehne enttäuscht ab und sage, dass ich mit meiner Frau gar nicht erst telefonieren muss, nachdem ihr 1.500 alleine für den Mantel geboten wurde. Ich packe die mitgebrachten Schmuckstücke wieder ein und stehe auf.

In diesem Moment schaltet sich der Kollege vom vorderen Tisch ein: „na hör mal, der arme Mann ist zwei Mal zu uns gekommen, leg bitte noch etwas drauf, dass sich der weite Weg für ihn auch lohnt. Lass ihn doch nicht so enttäuscht gehen.“

Die Frau erhöht nach einer kurzen Denkpause auf 2.300 (wieder mit dem Hinweis: „mehr geht wirklich nicht!“. Ich lehne erneut ab und gehe Richtung Ausgang. In Höhe ihres Kollegen sagt dieser: „bleiben sie doch bitte hier, wir werden uns schon einig. Ich gebe ihnen 2.500…in bar…das ist doch wirklich sehr sehr viel Geld…(er kramt aus seiner Hosentasche ein Bündel Geldscheine heraus) und zeigt es mir… so viel bekommen sie sonst nirgends…das ist sehr sehr fair…

Ich gehe wortlos weiter aus dem Raum hinaus. Der Mann ist aufgestanden und ruft mir hinterher, „sagen sie doch einfach, wie viel sie haben wollen…bleiben sie doch hier…Mich beschleicht ein mulmiger Gefühl und antworte nicht, gehe an der Bar vorbei (sie rufen und laufen mir immer noch nach!) drehe mich nicht um, und verlasse das Hotel.

 

Einzelwerte der zum Kauf angebotenen Wertsachen:

Platinbrosche: ART DEKO 1920er Jahre, 3 Karat Brillanten – 13.500 Euro
Brillantring: ca. 1,3 – 1,4 Karat, Goldgewicht: 7,2 Gramm 585 6.500 Euro
Halskette mit Brillant: 1 k, tw, vvsi, 37,2 Gramm 585 12.500 Euro
Ohrringe: 8,15 Gramm 585 Gold 1.000 Euro
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Zwischensumme: 33.500 Euro

Silber, pauschaler Wert 380 Gramm 600 Euro
Pelzmantel 350 Euro
Modeschmuck 50 Euro
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Summe: 34.500 Euro

 

Höchstgebot für alles: 2.500 Euro

Schaden im Falle eines Verkaufes: ca. 30.000 Euro !

 

Unsere Warnung vor unseriösen Goldankäufern:

Der Pelzankauf (oder andere derzeit schwer, oder kaum verkäufliche Gegenstände, wie Schreib- oder Nähmaschinen, Porzellan, Zinn, Handtaschen, Bestecke etc.)

das alles ist die Tür zum Gold. Man schätzt jeden Pelzmantel, oder die anderen o.g. Gegenstände extrem hoch ein, und das fern jeder Realität zu einer tatsächlichen Verkäuflichkeit. Den hohen Ankaufs-Preis für Pelzmantel & Co. begründet man fadenscheinig. Das dient aber nur dazu, Druck aufzubauen, da „der Ankaufspreis und die Chance auf diese Gelegenheit nur noch heute besteht.“

 

Die Betrugsmaschen der sogenannten „Experten“

  1. Echter (Gold-) Schmuck wird bewusst als Modeschmuck eingestuft. Das ist wohl auch der Grund, warum man vorgibt Modeschmuck ankaufen zu wollen.
  2. Der Goldgehalt, also die Goldlegierung wird gezielt herabgestuft. Meiner Meinung nach, indem man zB bei den Säureproben „mogelt“ – wie auch immer.
  3. Echte Besatzsteine werden vom Diamanten zu Moisanit, oder anderen minderwertigen Steinen degradiert und fließe damit in die Bewertung nicht mehr ein.
  4. Einwände des Kunden, der das Ergebnis anzweifelt, begegnet man mit nochmaliger Prüfung und dem Angebot, der Kunde könne sich doch selbst überzeugen. Das ist natürlich so gut wie niemandem möglich, denn Leute, die sich auskennen und wissen, wie man Gold oder Diamanten auf Echtheit prüfen kann, tauchen dort ja eh nicht auf.
  5. Man suggeriert dem Kunden stets, über ein großen Fach/Spezialwissen und viel Erfahrung zu verfügen. Im Prospekt wirbt man mit „Experten werden 4 Tage lang für sie da sein“ Diese Experten sind Teil des Betrugssystems, da sie bewusst vollkommen falsche Bewertungen erstellen.
  6. Besondere Vorsicht ist geboten, wenn es sich um sog. „Fliegende Händler“ handelt. Diese mieten sich tageweise, oder wochenweise in Hotels oder Gaststätten ein und Lassen dann die hinreichend bekannten Flyer verteilen, um mit unhaltbaren versprechungen Verkäufer anzulocken. Geht etwas „schief“ sind sie in der Regel verschwunden und nicht mehr greifbar.

 

Aber woran erkennt man beim Goldverkauf einen seriösen Ankäufer?

Das Wichtigste ist eine völlig Transparenz beim Verkauf. Für jedes einzelne Stück wird die Echtheit und das exakte Gewicht ermittelt, und das dem Verkäufer erklärt und mitgeteilt. Das bildet dann die Grundlage für die Ermittlung des Wertes für jedes einzelne Stück, der sich wiederum stets am aktuellen Börsenpreis des jeweiligen Edelmetalls orientiert, und der immer aktuell im Internet abrufbar ist. Der Kunde wird offen über jeden einzelnen Schritt informiert. Er erhält dann ein transparent gestaltetes Angebot. Der Verkäufer hat die Wahl, es anzunehmen oder abzulehnen.

 

Ganz wichtig: Jeder Händler ist neuerdings gesetzlich verpflichtet, jedem Kunden einen Ankaufschein mit folgenden detaillierten Angaben übergeben:

  • (Vollständiger Name/Firma, Geschäftsadresse, Firmenbuchnummer und UID-Nummer.
  • Genaue Beschreibung (z. B. Bruchgold, Münzen, Schmuck))
  • Das Goldgewicht muss nach dem jeweiligen Feingehalt des angekauften Goldes in Gramm aufgeteilt werden. (Also 585 =14er Gold, 750= 18er Gold),
  • und angegeben werden muss der jeweils dafür angewandte Ankaufspreis, sowie der daraus resultierende Gesamtbetrag.